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Bildungspolitischer Umgang mit der Corona-Krise im Kanton Aargau: Aktuelle Herausforderungen und offene Fragen

Schreiben an den Regierungsrat des Kantons Aargau

Bildungspolitischer Umgang mit der Corona-Krise im Kanton Aargau:
Aktuelle Herausforderungen und offene Fragen

3. April 2020

Sehr geehrte Herren Regierungsräte

Die Corona-Krise hat im Bildungsbereich eine Situation geschaffen, wie sie die Schweiz und der Kanton Aargau bisher nicht gekannt haben. Die FDP.Die Liberalen Aargau dankt dem Regierungsrat, dass er auf die neue Lage reagiert und Massnahmen ergriffen hat. In der ausserordentlichen Lage ist es unserer Meinung nach Aufgabe und Pflicht der Kantonsregierung, Führungsstärke zu zeigen. Wir begrüssen es sehr, dass nach einer Übergangsphase mit der Empfehlung zur Repetition von bereits behandeltem Lernstoff ab dem 20. April wieder neue Inhalte vermittelt werden sollen – gegebenenfalls mittels Fernunterrichtes. Jetzt sind dazu klare Rahmenbedingungen und Leitlinien sowie deren gezielte Kommunikation unerlässlich. Aus Sicht der FDP stellen sich vordringlich folgende Herausforderungen und offenen Fragen, um deren Umsetzung bzw. kurze Beantwortung wir den Regierungsrat dringend ersuchen.

Lehrabschluss- und Maturaprüfungen

Die bevorstehenden Lehrabschluss- und Maturaprüfungen (Berufsmatur und gymnasiale Matur) sind durchzuführen, selbstverständlich unter Einhaltung der Hygienemassnahmen und allenfalls mit Ausnahmen für Risikogruppen. Lernende und Maturanden haben ein Anrecht darauf, einen ordentlichen Abschluss zu machen und nicht eine Light-Version. Sie sollen nicht dem Vorwurf ausgesetzt werden, sie seien unter vereinfachten Bedingungen zu ihrem Abschluss gekommen. Hier müssen baldmöglichst Lösungen gefunden werden.

  1. Wäre es möglich, unter Einhaltung der angeordneten Massnahmen, dennoch (zumindest vereinzelt) Prüfungen durchführen zu lassen, z.B. in Halbklassen an Tischen in grossen Räumen wie Turnhallen? Falls nein, weshalb nicht?
  2. Wird sich der Regierungsrat in der EDK dafür einsetzen, dass die Lehrabschluss- und Maturaprüfungen durchgeführt werden?
  3. Auf der Website berufsbildung2030.ch des SBFI ist eine am 3. April 2020 auslaufende Konsultation zum Qualifikationsverfahren in der beruflichen Grundbildung im Zusammenhang der Situation mit der Corona-Krise aufgeschaltet. Es wird vorgeschlagen, dass im schulischen Bereich (Berufskenntnisse und allgemeinbildender Unterricht) keine Prüfungen stattfinden sollen. Der Bundesrat fällt seinen Entscheid über die Ausgestaltung der Verfahren am 9. April 2020. Hat sich der Kanton Aargau in diesem Konsultationsverfahren geäussert? Wenn ja, wie? Wenn nein, weshalb nicht?

Klare Regelung der Promotionen

Gemäss BKS-Weisung werden für die Noten im Jahreszeugnis alle Beurteilungsbelege berücksichtigt, die seit Beginn des Schuljahres bis zum 13. März 2020 vorhanden waren. Rein organisatorisch ist dieser Entscheid naheliegend, da er ohne administrativen Mehraufwand umgesetzt werden kann. Für die FDP bestehen jedoch Fragezeichen bezüglich Chancengleichheit für den Fall, dass bis zum Ende des Schuljahres der Präsenzunterricht verboten bleibt und keine weiteren promotionswirksamen Prüfungen durchgeführt werden. Gemäss Regierungsrat dürfen während des Fernunterrichts keine promotionswirksamen Leistungsbeurteilungen geschrieben werden. Gleichzeitig darf aber die Leistungsentwicklung während des Fernunterrichts in die Note des Jahreszeugnis einfliessen.

  1. Wie löst der Regierungsrat den hier entstehenden Widerspruch, der zu Rechtsstreitigkeiten mit Eltern betroffener Schülerinnen und Schüler führen kann?
  2. Wäre es auch für den üblichen Schulbetrieb möglich, unter Einhaltung der angeordneten Massnahmen, dennoch (zumindest vereinzelt) Prüfungen durchführen zu lassen? Falls nein, weshalb nicht?

Verbindliche Vorgaben für Schulen / Aufhebung der Freiwilligkeit von Schularbeiten

Gemäss dem Schulgesetz ist es die Aufgabe des Regierungsrats, für Primarschule und Oberstufe die einzelnen Unterrichtsbereiche, die Zahl der Unterrichtslektionen und ihre Dauer, die Lernziele und die Stoffauswahl sowie die Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler bezüglich ihrer Selbst- und Sozialkompetenzen zu regeln. Verbindliche Vorgaben des Kantons für die Gemeinden bzw. Schulen sind auch in der jetzigen Zeit zentral für eine geordnete Fortführung des Bildungsauftrages. War die Aussetzung der Schulpflicht bis zu den Frühlingsferien als Sofortmassnahme noch zu akzeptieren, so ist dahinter nun ein Fragezeichen zu setzen. Die Folgen dieses Entscheides sind weitreichend. Sie verunmöglichen den Schulen und den Lehrerinnen und Lehrern, von den Schülerinnen und Schülern verbindlich Arbeitsresultate einzufordern.

  1. a) Erachtet es der Regierungsrat die Aufhebung der Freiwilligkeit von Schularbeiten mit dem Beginn des neuen Quartals nach den Frühlingsferien auch als zwingend?

b) Erhalten die Schulen flächendeckend im ganzen Kanton den Auftrag, ebensolche Schularbeiten mit Vermittlung von neuem Schulstoff zu erteilen und deren Erledigung mittels Arbeits- und Lernkontrollen zu überprüfen?

  1. Wird der Regierungsrat zum Umgang mit der Stundentafel klare Aufträge erteilen und für die Zeit, in der kein Präsenzunterricht möglich ist, Vorgaben machen zur Handhabung der Kernfächer und Nebenfächer?
  2. Wird der Regierungsrat anordnen, dass nach den Frühlingsferien – unter Berücksichtigung der bundesrätlichen Vorgaben – wo möglich wieder Einzelunterricht erteilt wird (z.B. Logopädie)?
  3. Werden die Schulen der Volksschule sowie Sonderschulen vom BKS mit Leitlinien bedient, inwiefern sie Lehrpersonen und pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach den Schulferien bzw. ggf. auch während den Schulferien für Tätigkeiten in den Schulräumlichkeiten einsetzen dürfen?

Fernunterricht sicherstellen, Tages- und Lernstrukturen schaffen

Die Weisung von Regierungsrat Alex Hürzeler vom 30. März 2020 betreffend Fernunterricht ist diesbezüglich vage und lässt für die Verantwortlichen vor Ort viele Fragen offen. Der Kanton muss hier aktiver kommunizieren und mit Weisungen arbeiten. Es gibt Apps, die bereits von verschiedenen Schulen erfolgreich verwendet werden, so «Learning You» für den Unterricht (inkl. Lernzielüberprüfung und Möglichkeit von individueller Aufgabenerteilung) oder «Klapp App» für Elternkommunikation.

  1. Wird der Regierungsrat bzw. das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) die Schulen dazu auffordern, diese Apps einzusetzen, sofern nicht andere bereits im Einsatz sind?
  2. Werden diesbezüglich Vorgaben gemacht und Fristen gesetzt, so dass der Fernunterricht allerspätestens ab dem 20. April 2020 flächendeckend funktioniert?

Die FDP fordert den Regierungsrat auf, beim Bund falls nötig angemessenen Druck auszuüben, dass eine Entscheidung bezüglich allfälliger Verlängerung des Verbots von Präsenzunterricht frühzeitig kommuniziert wird. Gleichzeitig sind kantonsintern die Massnahmen zur Sicherstellung eines zielgerichteten und effizienten Fernunterrichts voranzutreiben.

Für die Umsetzung der erläuterten Punkte und die Beantwortung unserer Fragen danken wir Ihnen, sehr geehrte Herren Regierungsräte, bestens. Für die weiteren anstehenden Herausforderungen wünschen wir Ihnen weiterhin viel Energie, Weitsicht und Zuversicht. Für einen persönlichen Austausch stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüsse
 

FDP.Die Liberalen Aargau

                                               

Lukas Pfisterer                                        Sabina Freiermuth
Parteipräsident                                       Fraktionspräsidentin

Wirtschaftskrise wegen COVID-19: Regierungsrat leitet wichtige Schritte ein – FDP Aargau begrüsst Sofortmassnahmen für Unternehmen und Selbständige

Der Bundesrat will mit insgesamt rund 40 Milliarden Franken die schweizerische Wirtschaft in der aktuellen, durch das Corona-Virus verursachten Krise stützen. Der Aargauer Regierungsrat möchte gemäss gestrigem Beschluss mit einem kantonalen Massnahmenpaket in der Höhe von 300 Millionen Franken die Bundesmassnahmen ergänzen, wobei der Fokus auf der kurzfristigen Nothilfe und Liquiditätssicherung liegt. Insbesondere sollen kleine Unternehmen, deren Überleben trotz Bundesgeldern nicht gesichert ist, unterstützt werden sowie KMU, deren Situation zusätzliche, sonst nicht abgedeckte Beiträge erfordern. Die FDP Aargau begrüsst diese Stossrichtung, mit der die Bundesmassnahmen gezielt ergänzt werden. Entscheidend ist aus freisinniger Sicht, dass die Vergabekriterien genau definiert und dass mit den öffentlichen Geldern keine strukturerhaltenden Massnahmen finanziert werden. Der Regierungsrat braucht in dieser Krisensituation den nötigen Handlungsspielraum. Der gezielte Einbezug des Grossen Rates, vertreten durch die Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen (KAPF), gibt den Massnahmen trotz Krisensituation die notwendige politische Legitimität. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass viele Unternehmen auf rasche Hilfe angewiesen sind.

In einem offenen Brief hatte die FDP Aargau am 23. März 2020 den Regierungsrat gebeten, ergänzende Unterstützungen für die Selbständigerwerbenden und die KMU-Wirtschaft zu planen. Dies wird mit dem gestern angekündigten Massnahmenpaket adäquat und der Situation angemessen umgesetzt. Die FDP appelliert an den Regierungsrat, bei aller Wichtigkeit der Sofortmassnahmen strukturerhaltende Massnahmen zu vermeiden. Es geht um gezielte Unterstützungen, welche aufgrund der Corona-Krise notwendig geworden sind, nicht um die Behebung von vorbestehenden Finanzschwächen. Das Massnahmenpaket ist ein wichtiger Schritt. Darüber hinaus sind weitere politische Anstrengungen notwendig, um den Herausforderungen der Krise zu begegnen. Insbesondere erachtet die FDP eine rasche Umsetzung der Massnahmen als evident für den Erhalt vieler Kleinstunternehmen. Die geplante Vorgehensweise ist daher wenn immer möglich zu beschleunigen. Zudem ist bereits jetzt daran zu denken, wie die Zeit nach der Corona-Krise anzugehen ist.

Vermeidung von Betriebsschliessungen soweit möglich – unter Einhaltung der Sicherheitsvorgaben

Weiter sollen die staatlichen Stellen ihre Angebote aufrechterhalten, um der Privatwirtschaft mit den notwendigen Dienstleistungen und Bewilligungen die Fortführung der Tätigkeiten zu gewährleisten. Auf Betriebsschliessungen in der Industrie, im Gewerbe und damit auch im Bausektor, ist wenn immer möglich zu verzichten. Der Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz gemäss den Bundesvorgaben muss dabei selbstverständlich zwingend eingehalten werden. Es braucht gemeinsame Anstrengungen von allen, damit die Wirtschaft nicht zum Stillstand kommt und die funktionierenden Wertschöpfungsketten nicht unterbrochen werden.

Temporäre Vereinfachung der administrativen Abläufe und Förderung von Innovation

Zur Erweiterung des Spielraums der Unternehmen im Umgang mit der schwierigen Situation sollten der temporäre Abbau oder die Vereinfachung und Beschleunigung von Zulassungen und Bewilligungen geprüft werden, beispielsweise zur unkomplizierten Umnutzung eines Betriebs für eine beschränkte Zeit oder die temporäre Übernahme von Personal durch einen anderen Arbeitgeber. Die FDP erwartet vom Regierungsrat, dass er sich beim Bundesrat für eine temporäre Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes einsetzt. Für innovative Unternehmen und unternehmerische Ansätze sollen wo möglich Pilotnormen geschaffen werden.

 

Weitere Auskünfte:
Lukas Pfisterer, Grossrat, Parteipräsident, Tel. 076 468 49 91
Sabina Freiermuth, Grossrätin, Fraktionspräsidentin, Tel. 079 333 51 78

Offener Brief der FDP Aargau an den Regierungsrat zum wirtschafts- und finanzpolitischen Umgang mit der Corona-Krise im Kanton Aargau

Offener Brief vom der FDP Aargau an den Regierungsrat
zum wirtschafts- und finanzpolitischen Umgang mit der Corona-Krise im Kanton Aargau

23. März 2020

Sehr geehrte Herren Regierungsräte

Die gegenwärtige Situation rund um die Corona-Krise ist äusserst fordernd. Wir danken dem Regierungsrat und der Verwaltung des Kantons Aargau für ihren grossen Einsatz und den ruhigen, sachlichen Umgang in der besonderen Situation und wünschen für die weitere Bewältigung Weisheit und Besonnenheit. Als Partei und Fraktion werden wir nach bestem Wissen und Gewissen mithelfen, damit die Krise als Gemeinschaft gemeistert werden kann.

Für das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist die Ergreifung von Sofortmassnahmen zur bestmöglichen Verhinderung von negativen Langzeitfolgen absolut zentral. Der Bundesrat hat hier mit verschiedenen Notverordnungen erste Schritte eingeleitet. Oberstes Ziel muss es sein, rasch, genügend und unbürokratisch zu helfen. Nun gilt es, die Massnahmen auf Kantonsebene wo nötig zu präzisieren, zu ergänzen und möglichst rasch umzusetzen. Die FDP.Die Liberalen Aargau appelliert an alle Parteien, dem Regierungsrat heute das nötige Vertrauen entgegenzubringen. Er soll per Notverordnung die wichtigsten Entscheidungen treffen können, ohne wertvolle Zeit für allfällige Kommissionsberatungen zu verlieren. Diese Kompetenz kommt dem Regierungsrat gestützt auf die Verfassung zu. Der Regierungsrat wird im Rahmen der üblichen Berichterstattung ohnehin Rechenschaft über seine Tätigkeit ablegen müssen. Heute ist Vertrauen in sein Handeln gefragt!

Aus Sicht der FDP stellen sich vordringlich folgende Herausforderungen bzw. offenen Fragen, um deren Berücksichtigung wir den Regierungsrat dringend ersuchen.

 

Bankkredite an Unternehmen

Der Bund hat Bürgschaften für Kredite in Form von Darlehen an Unternehmen in Aussicht gestellt. Hier ist die konkrete Abwicklung durch die Banken raschestmöglich zu klären. Dabei ist aus unserer Sicht auch zu prüfen, ob ein Teil der Darlehen als nicht rückzahlbar erklärt werden soll. Denn nicht jede Unternehmung wird ohne Weiteres in der Lage sein, aufgrund der Corona-Krise benötigte Darlehen zurückzubezahlen. Ebenso sind die Banken aufzufordern, sich für die rückzahlbaren Darlehen auf einen minimalen Zins zu beschränken. Bei denjenigen Krediten, die durch die Bundesgarantie gedeckt sind, soll der Zins 0 Prozent betragen. Für die rasche Abwicklung (Sprechung von Krediten) kann es hilfreich sein, wenn der Kanton Bürgschaften gewährt, die noch etwas höher sind als die Bundesbürgschaften. Ausserdem sind seitens Kanton Härtefalllösungen zu suchen, die für Unternehmen gelten, die von den Bundesmassnahmen nicht abgedeckt sind, allenfalls auch hier mit A-fonds-perdu-Beiträgen. Beispielsweise ist zu klären, wie Geschäfte, die geöffnet haben müssen und keinen Erwerbsausfall geltend machen können, bei Bedarf unterstützt werden können. Kleinbetriebe ohne Kontokorrent, bei denen die Banken keine Informationen über die Liquidität haben, sollen auch rasch und zielgerichtet unterstützt werden – hier sind etwa Kombinationen von Bürgschaften und A-fonds-perdu-Beiträgen zu prüfen.

 

Unterstützende Massnahmen des Kantons für KMU

Die FDP Aargau bittet den Regierungsrat, ergänzende Unterstützungen für die Selbständigerwerbenden und die KMU-Wirtschaft zu planen, zu identischen Kreditbedingungen wie vom Bund vorgesehen. Strukturerhaltende Massnahmen sind dabei zu vermeiden. Es geht um Unterstützungen, welche aufgrund der Corona-Krise notwendig geworden sind, nicht um die Behebung von vorbestehenden Finanzschwächen. Die Verwaltungsabläufe sollen so organisiert werden, dass die Entschädigungen für Kurzarbeit sowie Arbeitslosengelder rasch ausbezahlt werden können. Ein zusätzlicher Aufbau der RAV soll wo immer möglich verhindert werden. Auf Taggeldern und Entschädigungen im Zusammenhang mit COVID-19 ist auf Sozialversicherungsbeiträge zu verzichten, damit die Unterstützungswirkung nicht geschmälert wird. Die FDP bittet den Regierungsrat, den Bundesrat aufzufordern, diese Massnahme per Notverordnung umzusetzen.

 

Entschädigung bei Erwerbsausfällen für Selbständige

Der Regierungsrat wird gebeten, sicherzustellen, dass alle Selbständigen, welche grössere Erwerbsausfälle zu verkraften haben, eine Entschädigung erhalten. Selbständige haben jahrelang Arbeitsplätze angeboten und auch Arbeitslosenversicherung-Beiträge einbezahlt. Es ist angemessen, wenn sie nun ebenfalls eine Entschädigung erhalten. Überdies droht gerade Kleinstbetrieben ohne Entschädigung die Schliessung, was unsere Wirtschaft nachhaltig schädigen würde. Der Regierungsrat wird gebeten, beim Bund eine grosszügige Auslegung anzustreben oder die Selbständigen, welche die Bundesvorgaben nicht erfüllen, ergänzend zu unterstützen.

 

Aufrechterhaltung der staatlichen Angebote

Wo möglich sollten die staatlichen Stellen ihre Angebote aufrechterhalten, um der Privatwirtschaft mit den notwendigen Dienstleistungen und Bewilligungen die Fortführung der Tätigkeiten soweit zu gewährleisten.

 

Verzicht auf Betriebsschliessungen

Die FDP fordert, wenn immer möglich, auf Betriebsschliessungen in der Industrie, im Gewerbe und damit auch im Bausektor zu verzichten. Der Regierungsrat ist aufgerufen, diese Haltung gegenüber dem Bundesrat konsequent zu vertreten. Die Aargauer Wirtschaft ist auf Arbeitskräfte angewiesen. Der Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz gemäss den Bundesvorgaben muss dabei selbstverständlich zwingend eingehalten werden. Es braucht gemeinsame Anstrengungen von allen, damit die Wirtschaft nicht zum Stillstand kommt und die funktionierenden Wertschöpfungsketten nicht unterbrochen werden.

 

Prüfung temporärer Abbau von Zulassungen/Bewilligungen

Zur Erweiterung des Spielraums der Unternehmen im Umgang mit der schwierigen Situation sollte der temporäre Abbau oder die Vereinfachung und Beschleunigung von Zulassungen und Bewilligungen geprüft werden, beispielsweise zur unkomplizierten Umnutzung eines Betriebs für eine beschränkte Zeit oder die temporäre Übernahme von Personal durch einen anderen Arbeitgeber.

 

Stundung der Steuern

Die Frist für die Einreichung der Steuererklärung für natürliche Personen ist bereits auf den 31. Mai 2020 verlängert worden. Zusätzlich soll diese Frist für Selbständigerwerbende und juristische Personen auf den 31. August 2020 verlängert werden. Generell soll die Fälligkeit für die Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern um zwei Monate verlängert werde. Auf Verzugszinsen soll bis Ende Jahr verzichtet werden.

 

Flexibilisierung Arbeitsgesetz

Der Regierungsrat wird gebeten, sich beim Bundesrat für eine temporäre Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes einzusetzen, um den Unternehmen vorübergehend mehr Handlungsspielraum zu geben – beispielsweise bei der Einführung von Mehrschichtenbetrieb oder der Möglichkeit von Sonntagsarbeit. Dem Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmer ist dabei selbstverständlich absolute Priorität einzuräumen. Wo Arbeit im Rahmen der Sicherheitsvorgaben des Bundes möglich ist – etwa auf Baustellen – soll gearbeitet werden können, sofern die Vorgaben eingehalten werden. Wo Verstösse festgestellt werden, muss die Arbeit sofort gestoppt bzw. die entsprechende Baustelle geschlossen werden.

 

Solidarität der Arbeitnehmer

Die Wirtschaft sind wir – alle zusammen. Auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können mithelfen bei der Abfederung der Krisensituation. Beispielsweise können zuerst Überstunden abgebaut und Ferien bezogen werden. Auch die Bereitschaft für punktuelle zusätzliche, flexible Einsätze im Rahmen der noch bestehenden Möglichkeiten kann die Arbeitgeberseite situativ entlasten.

 

Grenzverkehr sicherstellen

Die (Teil-)Schliessung der Grenzen und die rigorosen Grenzkontrollen führen zu teilweise massiven Problemen. Erstens können Grenzgänger ihrer Arbeit nicht mehr geordnet nachgehen, weil sie an den Grenzen aufgehalten werden. Der Regierungsrat hat mittels Notverordnung erlassen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Ausland bis auf Weiteres in der Schweiz bleiben können. Dies wird von der FDP begrüsst. Zweitens reissen Lieferketten ab, so dass beispielsweise auch das Baugewerbe und Industrie- und Gewerbebetriebe in der Schweiz in absehbarer Zeit nicht mehr arbeiten können, obwohl sie dies weiterhin dürften. Die FDP lädt den Regierungsrat ein, diesbezüglich das Gespräch mit dem Bundesrat zu suchen, da es sich hier um eine Bundeskompetenz handelt. Ziel muss es sein, mit den Nachbarländern rasch Lösungen zu erreichen.

 

Schulen: Lehr-/Lernprozesse sicherstellen

Die bereits angelaufene Umstellung vom physischen auf den digitalen Unterricht wird unterstützt. Die FDP lobt den entsprechenden Einsatz der Lehrpersonen ausdrücklich. Bis nach den Frühlingsferien sind vom Departement Bildung, Kultur  und Sport digitale Lehr- und Lernformen zur Verfügung zu stellen, die nicht nur die Repetition, sondern die Weitervermittlung der Lerninhalte so ermöglichen, dass keine Klassen wiederholt und alle Abschlussprüfungen durchgeführt werden können.

 

Rechtssicherheit gewährleisten

Zusätzliche Rechtsstillstandsfristen zu den bereits angeordneten SchKG- und ZPO-Massnahmen sind zu vermeiden. Erstens muss der Rechtsschutz gewährleistet bleiben. Zweitens müssen Unternehmen auf die schwierigen Umstände reagieren können, etwa mit Baugesuchen für Umnutzungen ihrer Räumlichkeiten, die tatsächlich behandelt werden.

 

Pilotnormen ermöglichen

Für innovative Unternehmen und unternehmerische Ansätze sollen wo möglich Pilotnormen geschaffen werden.

Für die Berücksichtigung der von uns erläuterten Punkte danken wir Ihnen, sehr geehrte Herren Regierungsräte, bestens. Für die weiteren anstehenden Herausforderungen wünschen wir Ihnen viel Energie, Weitsicht und – trotz allem – Zuversicht. Für einen persönlichen Austausch stehen wir jederzeit gern zur Verfügung.

 

Freundliche Grüsse
 

FDP.Die Liberalen Aargau

                                             

Lukas Pfisterer                                Sabina Freiermuth
Parteipräsident                               Fraktionspräsidentin

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